Ausrichtung PV-Anlage: Welche Dachseite bringt den besten Ertrag?

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Lukas Rieß

Aktualisiert am 5. Juni 2026

Ausrichtung PV-Anlage

Die beste Ausrichtung einer PV-Anlage ist Süden mit einer Dachneigung von etwa 30 bis 40 Grad. So erzielen die Module den höchsten Jahresertrag. Trotzdem ist eine reine Südausrichtung nicht immer die wirtschaftlich beste Lösung. Denn entscheidend ist nicht nur, wie viel Solarstrom Ihre Anlage erzeugt, sondern auch, wann dieser Strom entsteht und wie viel Sie davon selbst nutzen können.

Wenn Ihr Dach nicht nach Süden zeigt, kann sich auch eine Ost-West-Ausrichtung lohnen. Die Ostseite produziert früher am Tag Strom. Die Westseite liefert dafür am Nachmittag und am frühen Abend länger Solarstrom. Das passt oft gut zum Alltag vieler Haushalte, zum Beispiel wenn Sie morgens zu Hause sind, zur Arbeit fahren, abends kochen und Wäsche waschen oder Ihr Elektroauto nach Feierabend laden möchten.

Süd bringt meist den höchsten Gesamtertrag. Ost-West bringt oft ein besser nutzbares Erzeugungsprofil. Welche Ausrichtung für Ihre PV-Anlage ideal ist, hängt daher von Ihrem Dach, Ihrem Stromverbrauch, möglichen Verschattungen und der geplanten Anlagengröße ab.

Das Wichtigste vorweg kompakt zusammengefasst

  • Eine Südausrichtung bringt meistens den höchsten Jahresertrag.
  • Auch Südost, Südwest, Ost und West können sich sehr gut lohnen.
  • Ost und West passen oft gut zum Verbrauch am Morgen und am Nachmittag.
  • Nord ist meist nur bei sehr flachen Dächern oder Flachdächern einen Blick wert.
  • Eine gute Planung zeigt, welche Dachfläche wirklich sinnvoll ist.

Ausrichtung PV-Anlage: Was genau bedeutet Azimut?

Mit der Ausrichtung einer PV-Anlage ist gemeint, in welche Himmelsrichtung die Solarmodule zeigen. Fachlich spricht man auch vom Azimut. Eine nach Süden ausgerichtete Dachfläche bekommt über den Tag besonders viel direkte Sonneneinstrahlung. Deshalb gilt sie klassisch als ideal.

Bei Bestandsgebäuden ist die Dachausrichtung natürlich vorgegeben. Sie können Ihr Dach nicht einfach drehen. Deshalb geht es in der Planung weniger um ein theoretisches Optimum, sondern um die Frage, wie Sie Ihr vorhandenes Dach sinnvoll nutzen können. Wichtig sind vor allem diese Faktoren:

  • Die Himmelsrichtung der Dachfläche
  • Die Dachneigung
  • Die nutzbare Dachfläche
  • Verschattungen durch Bäume, Nachbargebäude, Gauben oder Schornsteine
  • Ihr Stromverbrauch im Tagesverlauf
  • Die Frage, ob eine Wallbox oder Wärmepumpe geplant ist

Welche Ausrichtung ist für eine PV-Anlage ideal?

Eine Südausrichtung liefert in Deutschland meist den höchsten Jahresertrag pro installiertem Kilowattpeak. Wenn Ihr Dach also nach Süden zeigt und kaum verschattet ist, sind das sehr gute Voraussetzungen.

Allerdings heißt das nicht, dass andere Dachseiten automatisch schlecht sind. Südost und Südwest liegen oft nur leicht unter einer reinen Südausrichtung. Auch Ost und West können sich lohnen, besonders wenn beide Dachseiten belegt werden können. Als grobe Orientierung können Sie mit diesen Richtwerten rechnen:

Ausrichtung der PV‑Anlage Typische Einordnung
Süd Höchster Jahresertrag
Südost oder Südwest Sehr gute Erträge, oft nahe am Optimum
Ost-West Etwas weniger Jahresertrag, dafür bessere Verteilung über den Tag
Ost oder West einzeln Sinnvoll, wenn die Fläche groß genug und wenig verschattet ist

Süd-Ausrichtung: Wann ist sie besonders sinnvoll?

Eine PV-Anlage mit Südausrichtung erzeugt den meisten Strom rund um die Mittagszeit. Das ist besonders gut, wenn Sie tagsüber viel Strom verbrauchen. Zudem kann ein Speicher den mittags erzeugten Solarstrom aufnehmen und später am Abend bereitstellen. Eine Südausrichtung passt besonders gut, wenn:

  • Sie einen hohen Jahresertrag erzielen möchten
  • tagsüber größere Verbraucher laufen
  • eine Wärmepumpe, ein Heizstab oder eine Wallbox eingebunden werden sollen

Der Nachteil liegt im Erzeugungsprofil. Ein richtig dimensionierter Stromspeicher ist daher notwendig.

Ost-West-Ausrichtung: Warum sie oft unterschätzt wird

Eine Ost-West-Ausrichtung erzeugt über das Jahr meist weniger Strom pro Modul als eine Südausrichtung. Trotzdem kann sie in der Praxis sehr attraktiv sein. Die Stromproduktion verteilt sich besser über den Tag.

Die Ostseite liefert früher Strom. Die Westseite liefert später Strom. Dadurch entsteht weniger starke Mittagsspitze, aber mehr nutzbarer Solarstrom am Morgen und am Nachmittag.

Das passt oft gut zu Haushalten, in denen der Stromverbrauch nicht nur mittags stattfindet. Also zum Beispiel zu Familien, Berufstätigen im Homeoffice oder Haushalten mit E-Auto. Eine Ost-West-Ausrichtung kann sinnvoll sein, wenn:

  • Sie morgens und abends viel Strom benötigen
  • Sie beide Dachseiten belegen können
  • Sie auf einem Flachdach mehr Module unterbringen möchten (Rücken an Rücken installiert)
  • Sie die Solarstromerzeugung breiter über den Tag verteilen wollen
Grafik zeigt verschiedene Dachflächen mit zugehörigen PV-Erträgen.
Zeichnung: Energieertrag in Prozent je nach Ausrichtung und Neigungswinkel der Solaranlage. | © Hanse Solar Technik

Gerade auf Flachdächern arbeiten wir häufig mit flachen Ost-West-Systemen. Dadurch können oft mehr Module auf die Fläche gebracht werden, weil weniger Abstand zwischen den Modulreihen nötig ist.

Praxisbeispiel: Süd oder Ost-West?

Nehmen wir einen 4-Personen-Haushalt mit etwa 4.000 kWh Stromverbrauch pro Jahr. Geplant wird eine PV-Anlage mit 5,28 kWp Leistung, also zum Beispiel 12 Modulen, und einem Stromspeicher mit 5 kWh Kapazität.

Variante 1: Südausrichtung

  • 12 Module Richtung Süden
  • Anlagenleistung: 5,28 kWp
  • Stromspeicher: 5 kWh
  • Erwarteter Jahresertrag: ca. 5.050 kWh
  • Autarkiequote: ca. 65 %

Variante 2: Ost-West-Ausrichtung

  • 6 Module Richtung Osten
  • 6 Module Richtung Westen
  • Anlagenleistung: 5,28 kWp
  • Stromspeicher: 5 kWh
  • Erwarteter Jahresertrag: ca. 4.120 kWh
  • Autarkiequote: ca. 58 %

In diesem Beispiel ist die Südanlage stärker. Sie erzeugt rund 930 kWh mehr Strom pro Jahr und erreicht eine höhere Autarkiequote. Trotzdem zeigt das Beispiel auch: Die Ost-West-Anlage ist keineswegs uninteressant. Die Autarkiequote ist nur unwesentlich geringer.

Welcher Neigungswinkel ist optimal?

Neben der Ausrichtung Ihrer PV-Anlage spielt auch die Dachneigung eine wichtige Rolle. In Deutschland liegt der optimale Neigungswinkel für eine nach Süden ausgerichtete PV-Anlage häufig bei etwa 30 bis 40 Grad.

Sie sollten aber diesen Punkt nicht überbewerten. Wenn Ihr Dach zum Beispiel 25 Grad oder 45 Grad Neigung hat, ist das noch lange kein Ausschlusskriterium. Moderne PV-Anlagen arbeiten auch bei abweichenden Dachneigungen sehr gut.

Ertragstabelle anhand realer Werte

Die folgende Tabelle zeigt, wie sich Dachausrichtung und Dachneigung auf den möglichen Ertrag auswirken. Die besten Werte erreichen PV-Module in der Regel bei einer Ausrichtung nach Süden und einer Neigung von etwa 30 bis 40 Grad. Zeigt das Dach eher nach Osten oder Westen, können etwas flachere Neigungen bis etwa 20 Grad vorteilhafter sein.

Für die Berechnung haben wir als Beispielstandort die Lübecker Bucht gewählt. Der Standort liegt bei 54.032, 10.929 in der Ostsee und ist somit frei von Verschattungen. Die angegebenen Prozentwerte beziehen sich auf die jährliche Stromproduktion der PV Anlage in Kilowattstunden. Berechnet wurden die Werte mit PVGIS, dem Photovoltaik Tool der Europäischen Kommission.

PV-Ertrag in der Lübecker Bucht je nach Dachausrichtung und Neigung.
Berechnungsgrundlage: Referenzstandort Lübecker Bucht 54.032, 10.929, PVGIS SARAH3, kristalline Siliziummodule, 1 kWp installierte Leistung, 14 Prozent Systemverlust, Montageposition „Roof added“

Fazit: Die beste Ausrichtung ist die, die zu Ihrem Dach passt

In der Praxis lässt sich die Dachausrichtung meistens nicht frei wählen. Das Dach ist vorhanden und die Planung muss daraus das Beste machen.

Deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf alle nutzbaren Dachflächen. Südost und Südwest liefern oft sehr gute Erträge. Auch Ost und West können sinnvoll sein, weil der Solarstrom besser über den Tag verteilt entsteht. Das passt häufig gut zum tatsächlichen Verbrauch im Haushalt, besonders morgens, nachmittags und am frühen Abend.

Eine Nordausrichtung ist meistens nicht zu empfehlen. Auf einem klassischen Schrägdach Richtung Norden ist der Ertrag in der Regel zu niedrig, um die Fläche sinnvoll zu nutzen. Ist das Dach insgesamt recht klein und der Stromverbrauch hoch, kann man die Nordseite belegen, um das absolute Ertrag-Maximum herauszuholen. Anders kann es bei sehr flachen Dächern oder Flachdächern aussehen. Dort trifft noch genug diffuse Strahlung auf die Module, sodass eine Belegung in Einzelfällen geprüft werden kann.

Am Ende zählt nicht nur die Himmelsrichtung. Wichtig ist, wie gut die PV-Anlage zu Ihrem Dach, Ihrem Verbrauch und Ihren Zielen passt. Wenn Sie wissen möchten, welche Ausrichtung für Ihre PV-Anlage sinnvoll ist, beraten wir Sie gerne. Wir prüfen Ihr Dach, erstellen eine individuelle Planung und zeigen Ihnen, welche Erträge realistisch sind. Jetzt kostenlos beraten lassen.

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